Jugend-Sportpsychologe Florian Graßmück im Gespräch!
06.06.2019

"Kinder stehen der Thematik sehr offen und neugierig gegenüber"

Seit der abgelaufenen Saison steht unserer Nachwuchsabteilung ein eigener Sportpsychologe zur Verfügung. Im großen Interview der Woche habe wir uns mit Florian Graßmück über seine Tätigkeit beim Verein, die Besonderheiten seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und die Bedeutung von sportpsychologischen Übungen für den Trainingsalltag unterhalten.

Florian, was sind deine Aufgabengebiete beim Nachwuchs des spusu SKN St. Pölten?

Aus meiner Sicht lässt sich meine Arbeit auf drei unterschiedliche Bereiche aufteilen: Zum einen geht es um die Betreuung einzelner Spieler, sowie der Trainer und zum anderen um das sportpsychologische Training mit ganzen Nachwuchsteams. Bei den Spielern stehen dabei vor allem Themen, die nicht im Tagesgeschäft behandelt werden können im Zentrum. Hier stehen vor allem Dinge wie das Selbstvertrauen der Spieler oder etwaige Konzentrationsschwächen beim Training und beim Spiel im Fokus. Bei der Arbeit mit ganzen Mannschaften liegt der Fokus eher auf der Aufarbeitung mannschaftsinterner Konflikte, etablieren einer Teamkultur und dem Gruppentraining, während in der Zusammenarbeit mit den Trainern deren Fortbildung hinsichtlich Kommunikation und Umgang mit den Spielern in den Mittelpunkt gestellt wird.

Warum ist Sportpsychologisches Arbeiten wichtig?

Ich bin der Ansicht, dass mentales und sportpsychologisches Training oftmals sogar den Unterschied ausmachen kann. Besonders im Spitzensport, wo Athleten austrainiert, technisch und taktisch alle top sind, können Leistungsunterschiede häufig nur mehr durch die mentale Komponente erklärt werden. Diese Art des Trainings ist also essenziell, um sein potentielles Können überhaupt erst auf den Platz bringen zu können.

Warum sollte man bereits mit Kindern im sportpsychologischen Bereich arbeiten?

Meiner Erfahrung nach sind Kinder sehr empfänglich für diese Art des Trainings und nehmen es als sehr angenehm wahr, wenn man anstatt der Eltern oder des Trainers auch einmal mit einer außenstehenden Person Dinge besprechen und Barrieren überwinden kann. Hier geht es auch darum, sich Dinge von der Seele reden und sich in einer vertrauensvollen Atmosphäre öffnen zu können. Je früher man mit der Schulung der mentalen Komponente anfängt, desto besser ist es auch für die persönliche Entwicklung. Für Kinder ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, ein gewisses Gefühl für sich selbst zu schaffen, eine Fähigkeit zur Selbstreflexion zu entwickeln und damit mit gewissen, herausfordernden Situationen besser umgehen zu können.

Was reizt dich an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?

Generell finde ich die Arbeit mit Menschen insgesamt gesehen schon faszinierend, da ich hier mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten arbeiten kann. Die Arbeit mit Kindern macht mir deshalb so viel Spaß, weil ich bei ihnen immer eine gewisse Offenheit und Neugier feststelle. Sie sind in der Lage neue Ansätze viel leichter aufzunehmen und zu verarbeiten als Erwachsene und zeigen immer großes Interesse an neuen Dingen. Daher ist es eine sehr dankbare Aufgabe. Mich freut es zu sehen, wenn ich einen Beitrag zur sportlichen und persönlichen Entwicklung eines Spielers leisten kann.

Was sind konkrete Methoden im sportpsychologischen Arbeiten?

Generell lässt sich sagen, dass es selbstverständlich nicht die eine richtige Methode für ein spezifisches Problem gibt. Das macht für mich aber auch den Reiz aus, mit jedem Menschen individuell zu arbeiten. Die Basis liefert allerdings immer das persönliche Gespräch, um die Ausgangssituation zu klären und dann gemeinsam an der Lösung zu arbeiten, die für jeden Sportler dann aber unterschiedlich ist.

Konkrete Methoden, mit denen ich immer wieder arbeite, sind z.B. Visualisierungsübungen oder Übungen zur Aufmerksamkeitsregulation. Eine weitere Methode ist Reframing. Das ist eine Technik, bei der man lernt gewisse Situationen aus einem anderen Blickwinkel oder in einem anderen Kontext zu betrachten um somit negative, leistungshemmende Gedanken, durch motivierende, stärkenorientierte Gedanken zu ersetzen.

Wie sehr ist sportpsychologisches Arbeiten / Mentaltraining bereits im österreichischen Leistungssport vertreten?

Ich glaube, dass innerhalb der Branche immer mehr die Notwendigkeit dieser Art des Trainings erkannt und somit auch umgesetzt wird. Mittlerweile ist das Mentaltraining zu einem wichtigen Erfolgsfaktor geworden. Physisch bewegen sich viele Sportler bereits am Limit, daher gibt es in der Psyche noch das größte Verbesserungspotenzial. Immer mehr Vereine erkennen diese Tatsache und setzen aus diesem Grund auch konkrete Maßnahmen in diese Richtung.

Was würdest du vor allem auch Eltern empfehlen, wenn es um den sportpsychologischen Bereich im Fußball bei Kindern geht?

Ich glaube, dass es wichtig ist, dem eigenen Kind als Elternteil immer eine bedingungslose Wertschätzung entgegenzubringen und diese nicht von der Leistung des eigenen Nachwuchses in einem Spiel oder beim Training abhängig zu machen. Eltern müssen sich bewusst sein, dass der sportliche Aspekt nie über den Umgang mit dem eigenen Kind entscheiden soll und darf. Denn einem derartigen Verhalten kann es beim Kind zu negativen Reaktionen und Einstellungen gegenüber dem Sport an sich kommen. Zudem sollten die Eltern das Kind immer dazu animieren für spezielle Situationen in er Nachbetrachtung eines Spiels selbst Lösungen zu suchen und ihm diese nicht bereits vorab anbieten. Hier ist eher eine Art „Hilfe zur Selbsthilfe“ gefragt, um die sportliche Entwicklung optimal zu fördern.

Welche Unterschiede gibt es für dich in der Sportpsychologie zwischen Kindern und Erwachsenen?

Der größte Unterschied liegt aus meiner Sicht in der Zielsetzung beim sportpsychologischen Training. Bei den Erwachsenen ist das oberste Prinzip die Leistungssteigerung. Bei den Kindern ist der Fokus etwas anders gelagert: Hier soll darauf geachtet werden, dass die Persönlichkeitsentwicklung und die Stärkung des Selbstvertrauens im Vordergrund stehen und somit eine gewisse Kompetenz zum Selbstmanagement vermittelt wird. Das ist auch der Grund, warum wir beim spusu SKN St. Pölten bereits im Kindesalter mit diesem Training beginnen – um unseren Spieler die bestmögliche Ausbildung auf allen Ebenen bieten können!

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