Juniors-Leitwolf Marc Schweinshaupt im Gespräch!
31.08.2020

„Wir ziehen unser Ding durch!“

Vier Tage vor dem Derby gegen den Kremser SC wurde Marc Schweinshaupt zum neuen Trainer unserer spusu SKN Juniors bestellt. Knapp eine Woche später hat der 35-jährige Deutsche nicht nur einen Derbysieg in der Tasche, sondern sich mit seiner blutjungen Truppe auch bereits gut aufeinander abgestimmt. Höchste Zeit also, um den neuen "Juniors-Leitwolf" in unserem großen Interview ein bisschen näher kennenzulernen.

Marc, du bist vom Betreuerstab der Profis zu unseren Juniors gewechselt und nun seit knapp einer Woche der neue Cheftrainer der Jungwölfe. Wie gut hast du dich bereits an diese Rolle gewöhnt und wie haben dich die Jungs aufgenommen?

Ich denke, dass die Mannschaft und ich schnell einen Draht zueinander gefunden haben und die Eingewöhnungsphase gut über die Bühne gegangen ist. Sowohl die Spieler, als auch ich hatten ja wenig Zeit, um über die neue Situation nachzudenken, weil das Derby gegen den Kremser SC unmittelbar bevorstand. Wir sind da quasi ins kalte Wasser gestoßen worden, zum Abtasten blieb da nicht viel Zeit. Ich glaube, aber dass wir diese Aufgabe sehr gut gemeistert und uns in dieser kurzen Zeit schon sehr viel erarbeitet haben – da sieht man auch am Auftritt im ersten Spiel!

Du hast den Derbysieg gegen den Kremser SC bereits angeschnitten. Dieser Auftakt in die neue Saison war mit dem 2:1-Erfolg natürlich ideal. Wie war diese Partie für dich?

Die Jungs haben in diesem Spiel die Vorgaben wirklich sehr gut umgesetzt und haben sich dieses Ergebnis absolut verdient. Natürlich ist noch bei weitem nicht alles Gold, was glänzt, aber mit diesem Auftritt kann man schon zufrieden sein. Vor allem die Siegermentalität und der absolute Wille, sich in jede Situation zu verbeißen, waren auf dem Platz über 90 Minuten da. Das ist auch etwas, das ich von meiner Mannschaft immer einfordere und deshalb ein ganz wichtiger Aspekt meiner Philosophie. Die Burschen sind sehr aufnahmefähig und lernwillig. Nun gilt es hier im individuellen Bereich weiterzuarbeiten.

Wo wird jetzt der Fokus in den nächsten Tagen liegen?

Ich werde versuchen, auf jeden Spieler einzeln einzugehen, um ihn besser zu machen. Denn nur wenn die einzelnen Spieler sich steigern, profitiert auch die Mannschaft davon. Um diesen Ansatz bestmöglich in die Tat umzusetzen werden wir auch das Trainingspensum in die Höhe schrauben und zwei bis drei Einheiten mehr pro Woche abhalten als bisher. Zusätzlich möchte ich mich mit den Spielern sowohl im Kreis der gesamten Mannschaft, als auch in Kleingruppen, intensiv mit der Videoanalyse beschäftigen, um ihnen auch auf dieser Ebene weiterzuhelfen.

Du hast in deiner Trainerlaufbahn in Deutschland und Asien bereits viele Stationen im Jugendbereich durchlaufen – wie hilfreich sind diese Erfahrungen für deinen jetzigen Job als Juniors-Leitwolf?

Sehr hilfreich natürlich, wobei ich von den verschiedenen Stationen unterschiedliche Aspekte mitgenommen habe. So kommt mir durch das niedrige Durchschnittsalter unserer Juniors meine Arbeit in diversen LAZs in Deutschland zugute, weil ich bereits ein gutes Gefühl habe, wie man mit Spielern in diesem Alter umgehen muss und sie auf ihrem Weg begleiten kann. Coachingtechnisch habe ich in Sachen Mentalität einiges von Roger Schmidt während meiner Zeit in Peking mitnehmen können, aber auch meine Zeit als Co-Trainer von Robert Ibertsberger bei den Profis hat mich ein Stück weit geprägt. Robert bringt eine gewisse Ruhe in seiner Art des Coachens mit, die ich auch in meiner Tätigkeit auf dem Platz umsetzen möchte.

Deine Zeit in China ist ja ein sehr spezielles Kapitel deiner Trainerkarriere – wie war es dort im Vergleich zu Europa?

In diesem Punkt muss man zwischen dem Fußball und dem Lebensstil in China unterscheiden. Der Fußball ist dort noch eher eine Randsportart, die sich langsam aber sicher beginnt zu professionalisieren. Für mich war es sehr interessant einen Teil dieser Entwicklung hautnah vor Ort mitzuerleben und als Leiter einer Fußballschule voranzutreiben. An das Leben dort muss man sich als Europäer allerdings erst einmal gewöhnen… Als ich aber die Sprache halbwegs erlernt hatte, konnte ich die Sichtweisen und Blickwinkel dieser Gesellschaft auch besser verstehen. Das Leben dort ist viel hektischer und chaotischer in Europa. Das hat mich auch gelehrt, die Dinge ein bisschen ruhiger anzugehen.

Kommen wir zurück nach Österreich – was sind deine Ziele für diese Saison?

Mein ganz großes Ziel ist es, dass es mindestens einer meiner Spieler in diesem Jahr schafft, sein Debüt bei den Profis in der Bundesliga zu geben. Wir sind eine Ausbildungsmannschaft, daher kann es aus meiner Sicht kein größeres Ziel geben. Zusätzlich dazu wünsche ich mir aber natürlich, dass wir den eingeschlagenen Weg der ersten Woche konsequent weitergehen und uns als gesamte Mannschaft kontinuierlich weiterentwickeln.

In der abgebrochenen letzten Saison waren unsere Juniors auf dem dritten Tabellenplatz – gibt´s in dieser Hinsicht von dir aus ein vorgegebenes Ziel?

Nein, auf einen Tabellenplatz möchte ich mich eigentlich nicht fixieren. Natürlich wollen wir so weit vorne wie möglich mitspielen, man muss aber immer bedenken, dass unser Team mit einem Durchschnittsalter von knapp 19 Jahren so jung wie noch nie ist. Dass da im Laufe der Saison Leistungsschwankungen kommen werden, ist vollkommen klar. Deshalb wird von meiner Seite auch die Ausbildung im Vordergrund stehen – wir ziehen unser Ding durch und werden nicht vorrangig auf den Tabellenplatz schauen!

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